OER-Plattformen der Zukunft - eine Übersicht

In letzter Zeit beschäftige ich mich intensiver mit dem Thema OER. Nachdem ich zuletzt an einem Workshop der Siemens-Stiftung am LearningLab der Universität Duisburg-Essen teilnehmen durfte (gesammelte Edutags dazu finden sich hier), habe ich versucht online noch mehr Informationen dazu zu bekommen, welche OER-Projekte meinen persönlichen Anforderungen gerecht werden könnten.

Zunächst muss ich sagen, dass wir an unserer Schule das LMS Moodle im Einsatz haben, welches viele Bedürfnisse erfüllt, aber eben auch zu große Mängel im Bereich der Kollaboration hat, als das ich es als eine OER-Plattform der Zukunft sehen könnte.

Doch zunächst: Was ist eigentlich OER? Die UNESCO beantwortete 2012 diese Frage mit der folgenden Definition:

Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen in Form jeden Mediums, digital oder anderweitig, die gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz veröffentlicht wurden, welche den kostenlosen Zugang, sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen erlaubt.

Soweit die Definition. Doch wie könnte eine digitale Plattform die eine Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ermöglicht technisch aussehen. Dabei möchte ich hier nicht auf die Finanzierungsfrage einer solchen Plattform eingehen. Nur soviel: viele aktuelle Plattformen, wie etwa leifiphysik.de werden von Stiftungen oder gemeinnützigen Vereinen getragen. Aber auch andere Finanzierungsmodelle sind sicherlich vorstellbar.

OER-Recherche

Beschäftigt man sich heute mit dem Thema OER und OER-Initiativen, stößt man ziemlich schnell auf zwei zentrale Anlaufpunkte im deutschsprachigen Netz. Das ist zum einen http://open-educational-resources.de und zum anderen die Mapping OER-Initiative. Eine beeindruckende weltweite Anlaufstelle ist die OER World Map. Auf diesen Kanälen findet man mittlerweile so viele verschiedene interessante Projekte, dass es wiederum lange dauert, die spannendsten OER-Projekte zu finden.

Wenn man sich viele Projekte jedoch genauer anschaut, so erkennt man, dass eine Vielzahl der Projekte auf MediaWiki als Software-Grundlage setzen. Dazu gehören zum einen natürlich das ZUM.de-Wiki-Family, aber auch das beeindruckende schulbuch-o-mat.de . Diese Projekte sind sehr weit fortgeschritten, Ihnen mangelt es aber meiner Ansicht nach auch an zu großen technischen Hürden, wenn es darum geht wirklich viele Mitstreiter (Ersteller von OER-Material) zu gewinnen. Eine Hoffnung für diese Projekte könnte meiner Ansicht nach der VisualEditor bieten, wenn dieser aus seiner Beta-Phase heraus ist.

Vorbildlicher Vorreiter!

Aus Lehrersicht habe ich nach Projekten gesucht, die technisch moderner aufgestellt sind, dabei aber nicht hochspezialisiert auftreten, wie es das einzigartige LearningApps.org-Projekt tut. Vielmehr habe ich nach Projekten gesucht, die es ermöglichen, viele unterschiedliche OER-Quellen einzubeziehen, so dass durch den Mix eine neue Qualität im Sinne von Lernmodulen entstehen kann.

Aus dieser Sicht ein für die Zukunft spannendes Projekt ist meiner Ansicht nach Learnify.com, einer in Schweden gestarteten Plattform, die nun mit learnify.ch auch ihre Fühler in Richtung Schweiz ausstreckt. Ein Interview mit Per Brahm von learnify.com ist hier eingebunden. Ich denke, dass von den dort mitgeteilten Erfahrungen viele andere Projekte profitieren könnten.

Das Projekt selbst scheint mittlerweile so weit zu sein, dass es mit Sicherheit ein Erfolg über Schweden hinaus werden wird. So wird Learnify.com auch als Best-Practice-Beispiel im aktuellen Praxisrahmen für OER in Deutschland erwähnt.

Ein Lernraum für alle?

Das für meinen Geschmack im deutschsprachigen Raum spannendste Projekt ist das Projekt Lernraum aus Baden-Würtemberg. Leider bietet das LMZ ihr Projektvideo nicht zum einbinden an, von daher muss ich hier auf deren Homepage verweisen: Lernraum-Homepage. Auch wenn das Projekt noch in der geschlossenen Phase ist, denke ich, dass es derzeit kein vielversprechenderes Projekt im deutschsprachigen Raum in diesem Bereich gibt. Das sehen auch die Preisverleiher des Deutschen Bildungsmedien Preises digita ähnlich:

Das innovative Konzept des Lernraums überzeugt die Jury, die überdies großes Potenzial im Kontext der OER-Bewegung sieht. Sie gratuliert dem Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und den Gestaltern des Lernraums zum Gewinn des digita 2016.

Und sie sagen auch:

Die Lernraum-App richtet sich an Lehrende, die individuelle digitale Lernarrangements mit geringem Zeitaufwand erstellen und im Unterricht einsetzen wollen. Der Lernraum bietet dafür das didaktische Werkzeug.
In dieser Hinsicht wünscht die Jury dem Landesmedienzentrum anhaltende Erfolge nicht nur bei der intensiven Nutzung des Lernraums, sondern auch bei der Nachfrage nach Fortbildung und Beratung der Lehrerinnen und Lehrer des Landes – vielleicht auch über die Landesgrenzen hinaus?

Insbesondere der letzte Halbsatz drückt aus, was auch ich mir stark wünschen würde, um in der zersplitterten deutschen Bildungslandschaft endlich mal von Skalierungseffekten profitieren zu können.

Und sonst?

Weitere Projekte, die man sicherlich für die Zukunft auch auf dem Schirm haben sollte sind

Wobei beim Medienportal der Siemens-Stiftung ebenso wie bei dem Berliner OER-Projekt noch nicht bekannt ist, in welche Richtung diese sich entwicklen werden. Das Berliner OER-Projekt scheint mir auch ziemlich ambitioniert zu sein, lässt sich aber leider noch nicht in die Karten schauen. Die Zukunft bleibt spannend.