Mit digitalen Medien besser lernen!?

Dieser Blogbeitrag ist ein Beitrag zu einer Blogparade, die von Christian Ebel auf seinem Blog vielfalt-lernen.de initiiert wurde.
Zunächst werde ich dabei über meine eigenen Erfahrungen mit digitalen Medien in der Schule berichten, danach gehe ich noch auf einige Studien zu diesem Thema ein.

Eigene Erfahrungen & drei Thesen

"Digitale Medien machen den Unterricht nicht besser, sie machen neue Lernwege möglich."

Neue Medien, besser gesagt neue Technologien, haben schon früher immer wieder Einfluss auf das Lernen in der Schule genommen. Dabei sind zum Beispiel Diaprojektoren, Fernseher oder Sprachlabore zu nennen. Und schon immer mussten Lehrkräfte die neuen Technologien zunächst erproben und danach schrittweise in ihre Unterrichtsplanung mit einbeziehen. Die derzeitige Entwicklung digitaler Medientechnik lässt sich jedoch meiner Ansicht nach mit diesen früheren Entwicklungen qualitativ überhaupt nicht vergleichen. Die Vielzahl an neuen Möglichkeiten, die eine Lehrkraft potenziell für seinen Unterricht in Betracht ziehen kann, ist einfach enorm. Damit einher geht dann sicherlich auch eine gewisse Überforderung, neben den schon so geforderten Veränderungen im Schulsystem, auch die digitale Entwicklung mit zu gehen.

Entscheidet sich eine Schule dafür, Schülerinnen und Schülern zum Beispiel Tablets zur Verfügung zu stellen, sollten zunächst die Lehrkräfte diese Technologien zur Verfügung gestellt bekommen. Ein Weg, den meine Schule dabei derzeit geht, ist die Einführung von Klassen-Tablets. Ein Tablet für eine Klasse kann nach meiner Erfahrung, jeden Unterricht in jedem Fach unterstützen. Sei es, dass das Gerät als eine Art Dokumentenkamera fungiert, damit digitale Tafelbilder erstellt oder gemeinsam Lernvideos produziert werden. Die leichte Dosierung verhindert dabei einerseits eine Überforderung der Lehrkraft, andererseits lernen die Schülerinnen und Schüler das Tablet als nützliches Werkzeug für ihren Lernprozess kennen. Die Gefahr einer Ablenkung wird minimiert.

Allein die Tatsache jedoch, dass nun digitale Geräte in den Klassen eingesetzt werden, führt aber auch nicht dazu, dass individuellere, erfolgreichere Lernwege entstehen oder die Schüler, um es kurz zu sagen, die Schule "schlauer" verlassen als früher. Entscheidend bleibt meiner Ansicht nach weiterhin, dass es den Lehrkräften gelingt, Neugier zu wecken und zu befriedigen. Und das immer wieder aufs Neue! Nur so können die Lernenden Erfahrungen machen, die zu einem guten Lernerfolg führen.

Aus dieser Sicht betrachtet, plädiere ich daher für ein Stück mehr Unaufgeregtheit, wenn es nun und in Zukunft darum geht, die digitalen Medien in den Schulalltag einzuführen. Vollführen wir den Wandel zu schnell, kann es sogar dazu führen, dass sich der Unterricht eher verschlechtert. Lehrkräfte können in kurzer Zeit nur ungenügend geschult werden. Eigene Erfahrungen im Umgang mit den neuen Möglichkeiten werden nur unzureichend gesammelt. Außerdem muss eventuell die Einfachheit und Verlässlichkeit der neuen Technologien noch gesteigert werden, bevor diese den hohen schulischen Anforderungen wirklich gerecht werden.

"Digitale Medien fördern den Austausch zwischen den Lehrkräften, Unterrichtsentwicklung wird einfacher"

Ganz sicher bin ich mir jedoch, wenn es um die Vorteile der Unterrichtsentwicklung geht. Die digitalen Medien ermöglichen einen schnelleren, umfassenderen Austausch über Unterrichtskonzepte und Unterrichtsinhalte, als dies jemals zuvor möglich war. Im Schuleinsatz für besonders wertvoll halte ich dabei Moodle oder auch ein einfaches Schulwiki. Explizit nennen möchte ich hier auch OER (Open Educational Resources). Begeistern tut mich dabei als Mathematiklehrer insbesondere GeoGebra im Unterrichtseinsatz, als auch learningapps.org, wie ich es bereits in einem früheren Blogbeitrag vorgestellt habe.

"Digitale Schule muss entwickelt werden, wenn Schule in Zukunft noch ernst genommen werden will."

Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht sollte allerdings, wie bereits beschrieben, nicht zu schnell durchgezogen werden. Sollte der Wandel hingegen gar nicht oder zu langsam forciert, befürchte ich, dass die Schule als Ort des gemeinschaftlichen Lernens von den Schülern, den Eltern und, im Ganzen, von der gesamten Gesellschaft irgendwann nicht mehr ernst genommen werden könnte. Digitalisierte Lern- und Wissensinhalte, seien es Texte, Videos, oder Animationen liefern einem zum selbstständigen Lernen bereiten Menschen heutzutage immer neue Nahrung, auf allen Wissensgebieten und für jeden Wissenstand angepasst. Dabei seien nur einmal beispielhaft Udacity, iTunes U oder Codeacademy erwähnt.
Die schulischen Abschlüsse haben nur so lange einen Wert, wie sie gesellschaftlich anerkannt und verlangt werden. Weist ein junger Mensch hingegen digitale Badges und Lerneinheiten vor, und genügen den Arbeitgebern in Zukunft diese Nachweise in einem Einstellungsgespräch, wird eventuell die Akzeptanz der Notwendigkeit von schulischen Abschlüssen, wie dem Abitur, sinken. Vorstellbar wäre dabei auch eine Entwicklung, die dazu führt, dass private Universitäten das Abitur nicht mehr als Zugangsvoraussetzung verlangen.

Studien

Es ist derzeit schwierig einen Überblick über empirische Studien zur Nutzung von digitalen Medien in der Schule zu behalten. Daher beschränke ich mich hier darauf den derzeitigen Stand zum Einsatz von Tablets im Unterricht abzubilden.

Generell ist derzeit in den verschiedensten Publikationen auf jeden Fall eine Tendenz zu erkennen, die Vorteile des Tablet-Einsatzes im Unterricht, insbesondere gegenüber Notebooks, sehen. Bresges berichtet in seiner Studie zum Tablet-Einsatz im Physik-Unterricht davon, dass "die Streuung der Ergebnisse in der Klasse, in der mit Tablet-Computern gearbeitet wurde, kleiner als in der Kontrollgruppe" ist. Ebenfalls berichtet er, dass der Einsatz eines Tablets im Unterricht vor allen Dingen "als ein Werkzeug der Kommunikation" eingesetzt werden sollte. So verbesserte das Tablet im Unterrichtseinsatz im untersuchten Szenario die Gruppenarbeit.

Andererseits berichten Forscher aus den USA, dass für eine bessere Erinnerung an den Lernstoff dieser besser analog als digital festgehalten werden sollte. Diesem Nachteil der digitalen Medien könnte in Zukunft eventuell mit digitalen Stiften begegnet werden, so dass weiterhin Inhalte handschriftlich festgehalten werden können. Dazu möchte ich hier auch Kurt Söser erwähnen, der sich auf seinem Blog mit dieser Thematik beschäftigt.

Einen guten Überblick über die gesamte Thematik des Lernens in Verbindung mit digitalen Medien liefert auch der Beitrag von Prof. Dr. Bardo Herzig in seinem im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellten Beitrag zur Frage "Wie wirksam sind digitale Medien im Unterricht?"

Fazit

Die Digitalisierung der Schule ist weder ein Selbstzweck, noch wird sie den Unterricht einfach so verbessern. Auch werden Schüler sicher nicht durch den Einsatz von Tablets "in Leistungstests besser abschneiden", wie Josef Kraus (Präsident des deutschen Lehrerverbandes) richtigerweise bezweifelt. Dennoch halte ich, eine Digitalisierung der Schule für unumgänglich, wenn schulisches Lernen weiterhin ernst genommen werden will. Die neuen Möglichkeiten müssen jedoch zunächst schrittweise erkundet und entwickelt werden. Dabei werden unvermeidlich Fehlentwicklungen auftreten und dann auch behoben werden müssen. Das Tempo dabei kann und darf einzig und allein durch die Lehrkräfte bestimmt werden, denn sie sind es, die für die Qualität des Unterrichts hauptverantwortlich zeichnen.