Digitale Schulbücher selbstgemacht

Vor einem knappen Jahr habe ich bereits über digitale Schulbücher einen Blog-Beitrag verfasst. Und auch früher schon habe ich mir Gedanken dazu gemacht wie die Idee der Open Educational Resources praktisch vorangebracht werden könnte.

Auf der Suche nach Programmen für die Erstellung digitaler Lehrbücher bin ich kürzlich auf eine Seite von Lehrerfortbildung-bw.de gestoßen. Leider stellte sich keines der dort vorgestellten Programme für mich als geeignet dar, um damit freie Lehrwerke zu verfassen. Auch mit Sigil kam ich nicht wirklich weiter. Alle Programme wiesen mehr oder minder schwere Fehler auf, waren nicht frei für alle Betriebssysteme verfügbar oder waren in der Handhabung zu umständlich. Dr. O. Hoffmann und Bildungsforschung.org kommen zu ähnlichen Schlüssen. Daher habe ich angefangen etwas zu recherchieren und mir einige Plattformen angeschaut und meine Schlüsse dazu hier festgehalten.

Wikibooks.org

Betrachtet man die Benutzerfreundlichkeit der Oberfläche, so muss man klare Abstriche bei Wikibooks.org machen. Irgendwie scheint es leider aus der Zeit gefallen zu sein. Während für ein Wiki die Benutzeroberfläche noch halbwegs erträglich ist, nimmt sie sich für den Leser eines Buches/Lehrwerks nicht ausreichend zurück, so dass sich kein wirkliches Lesevergnügen einstellt. Auch für den Ersteller eines Buches sollte die Wikisyntax durch eine modernere Markdown-Syntax abgelöst werden.

Ein Ziel dieser Plattformen sollte jedoch nicht nur sein, eine möglichst benutzerfreundliche Oberfläche zu bieten, mit denen sich leicht digitale Bücher erstellen lassen. Wichtig aus meiner Sicht ist auch, dass die Inhalte in freien Formaten vorliegen, um einen Lock-in-Effekt zu vermeiden.

Serlo, Schulbuch-O-Mat und Segu

Die Plattformen wie Serlo.org und Schulbuch-O-Mat waren und sind starke Vorreiter im OER-Bereich in Deutschland. Sie setzen sich für eine freie Verbreitung von Lehrmaterialien einsetzen und bieten auch die Mitarbeit an Schulbüchern an. Sie sind jedoch für meine Zwecke weniger geeignet, da sie das Ziel zu verfolgen scheinen, ein Unterrichtswerk pro Fach entwickeln zu wollen. Aus meiner Sicht erscheint es jedoch viel attraktiver und sinnvoller, dass jede Lehrkraft ihr eigenes Unterrichtswerk erstellt bzw. aus fertigen Kapiteln und Unterkapiteln zusammenstellt. Nach meiner Erfahrung ist Unterricht so individuell von Lehrkraft zu Lehrkraft verschieden, wie die Lernwege der Schüler, so dass eine Standardisierung nicht zielführend erscheint. Segu-Geschichte scheint diesen modularen Ansatz zu verfolgen, bietet jedoch keine Möglichkeit eigene Module geschweige denn Lehrwerke für andere Fächer zu erstellen.

iBooks

iBooks ist auf Grund seiner proprietären Geschlossenheit keine gute Wahl, so dass man sich nicht guten Gewissens auf es einlassen sollte, um damit offene Lehrmaterialien zu erstellen. Vielleicht erkennt Apple irgendwann diesen Mangel und stellt iBooks unter eine Open-Source-Lizenz, die eine weitere Verbreitung dieses Formats ermöglichen würde.

h5p.org

h5p.org ist bereits sehr weit entwickelt, bringt daher aber auch eine etwas höhere Einstiegshürde mit. Es eignet sich sehr gut, zum Erstellen von interaktiven Aufgaben. Es eignet sich aber weniger um ein ganzes Lehrwerk/Lehrprogramm zu erstellen.

MiniBooks.ch

Minibooks.ch eignet sich gut dafür, um Schülerinnen und Schüler kleine Bücher erstellen zu lassen. Ich kann nur empfehlen es einmal auszuprobieren.

GeoGebra-Books

Für Mathematik-Bücher kann man sehr gut GeoGebra-Books verwenden. Der Aufwand hiermit sinnvolle Aufgaben zu erstellen, ist zwar relativ hoch, kann aber durch die Verwendung von bereits vorhandenem Material stark verringert werden.

GitBook.com

Die Plattform, die für mich derzeit am geeignetsten erscheint ist GitBook.com. Sie ermöglicht das gemeinsame Schreiben an freien Büchern. Dadurch dass die Online-Plattform auf Markdown setzt, lässt sich vieles Material auch leicht in anderen Programmen für die Erstellung von Arbeitsblättern und Präsentationen wiederverwenden. Außerdem lassen sich die Bücher in den Formaten PDF, ePub und mobi exportieren. Interaktive Aufgaben von Learningapps.org, GeoGebra und Co sowie Youtube-Videos lassen sich einfach einbetten. Auch mathematische Formeln sowie Programmier-Code können leicht eingegeben werden.

elearn.js

Einen ähnlichen Ansatz wie GitBook.com verfolgt elearn.js. Der Ansatz erscheint mir von allen, die ich bislang gefunden habe, am ausgereiftesten. Wer mehr zum Konzept erfahren möchte findet hier die Dokumentation und kann auch den Quellcode von Github herunterladen. Die Einstiegshürde scheint mir jedoch derzeit am höchsten von allen Optionen zu sein, da es (noch?) keine einfache Oberfläche gibt, die man nutzen kann, um mit elearn.js ein digitales Buch zu verfassen.

Fazit

Es scheint noch ein wenig Zeit ins Land gehen zu müssen, bis die Voraussetzungen für die Erstellung von freien Lehr- und Lernmaterialien geschaffen sind. elearn.js von Michael Heinecke vom eLearning-Büro MIN Universität Hamburg hat aber einen hervorragenden Ansatz entwickelt, der sich an seiner Universität auch schon durchgesetzt zu haben scheint. Um die Möglichkeiten der digitalen Welt für OER-Materialien für mehr Leute zu erschließen, muss jedoch in folgende Punkte noch weiter investiert werden:

  1. Ein freier Format-Standard, in dem die Inhalte verfasst werden können (Markdown könnte hierfür eine noch weiterzuentwickelnde Basis sein)
  2. Online-Plattformen auf denen an Büchern leicht zusammen gearbeitet werden kann und über die Inhalte leicht geteilt werden können
  3. Software-Tools, die auch offline genutzt werden können, um Bücher zu schreiben, und die den Export in verschiedene Formate ermöglichen

Quelle & Lizenz des Banners auf dieser Seite: Markus Büsges (leomaria design) für Wikimedia Deutschland e. V., OER Logo Open Educational Resources, CC BY-SA 4.0